you press the button (2016)
Martin Schwenk
Eunu interessiert sich für das Medium der Fotografie. Was hier zu sehen ist, sind allerdings nicht Fotos sondern die abgebildeten Instrumente, die klassischer Weise für das Fotografieren benutzt werden. Wie Frau Groß bereits ausgeführt hat, beschäftigte er sich mit der Frage, warum die Leute, die er hier beobachtete, fotografieren. Sicher um sich zu erinnern, um etwas festzuhalten. Aber es gibt einen weiteren Aspekt, die Frage, wie sie auswählen. Welcher Situation geben sie eine so große Bedeutung, dass sie sie fotografieren möchten. Die Hemmschwelle ist da im Vergleich zu früher relativ niedrig, trotzdem berührt die Frage etwas Wesentliches in der Arbeit von Eunu.
Hier ist es vielleicht sinnvoll eine andere Arbeit zu beschreiben, die auch mit der Fotografie zu tun hat. Er löst die Pigmente eines auf kunststoffhaltigen Fotopapier gedruckten Fotos mit Lösungsmittel an. Dies gibt ihm die Möglichkeit, durch Ver- und Wegwischen das Foto zu verändern, quasi eine Art manueller Photoshop ohne begrenzende Voreinstellungen. Das Motiv, spielt dabei so gut wie keine Rolle, sondern allein die handwerkliche Möglichkeit der Veränderung. Durch diese Form der Bearbeitung, versucht Eunu jedes einzelne Foto zu befragen, was drückt es aus, was passiert, wenn ich hier verschwimmen lasse, dort was wegnehme, wie verändert sich seine ästhetische Präsenz.
Wenn wir uns nun die Skulptur ansehen (besseres Wetter), fällt auf, dass er ein Material gewählt hat, was dem Medium der Fotografie diametral gegenübersteht, Zement. Mit Zement baut man Häuser, es eignet sich im Außenbereich für vielerlei und ist robust.
Diese Maßnahme der Verfremdung führt zu einer einheitlichen Oberfläche, zu einem einheitlichen Bild. Es gibt keinen Materialmix mehr, alle Kunststoff,- Gummi,- und Metallteile sind nun aus Zement. Die Skulptur scheint quasi aus dem Sockel herauszuwachsen. Auch die Kameras mit ihren Objektiven, eigentlich ja Lichtfänger, sind nur noch Zementboxen, versteinerte Klumpen. Der Zement formt nicht nur ab, sondern deformiert auch. Überhaupt wirkt die gesamte Aufstellung wie verkrustet, das was eigentlich portabel ist, wird unbeweglich. Man könnte sagen, dass Eunu bildhauerisch das macht, was in der Regel die Fotografie macht, das Einfrieren von Zeit.
Noch entscheidender für Eunu aber ist, glaube ich, der Verfremdungseffekt. Vielleicht hat es etwas mit seiner künstlerischen Ausbildung in Korea zu tun, ich weiß es nicht, aber die Frage nach der Bedeutung der Dinge für die eigene Arbeit, nach der Bedeutung des eigenen Handelns, stellt sich sicher in unserer Lehre in hohem Maß. Alles wird hinterfragt, alles kommt auf den Prüfstand, alles kann zu Problem werden und Eunhyung hat sich diese Fragen gestellt und sie, glaube ich, oft genug gehasst.
Indem er formal und technisch verfremdet, versucht er dem Gegenstand Bedeutung zu nehmen bzw. eine andere zu geben und sich so die Freiheiten zu schaffen, die er zum Arbeiten braucht.